Worum geht's?

Nobelpreis für Literatur 2024
Yeong-Hye und ihr Mann, beide um die 30, leben in der Großstadt. Sie arbeitet in Teilzeit als Computergrafikerin, er als Büroleiter.
Yeong-Hye beschließt nach fünf Jahren reibungsloser Ehe, kein Fleisch mehr zu essen. Über Jahre wiederkehrende blutige Träume lassen sie diesen Schritt gehen. Dieses plötzliche Aufbegehren löst bei Ehemann und Verwandten große Erschütterungen aus.
Es gibt drei Perspektiven auf die fortschreitende Metamorphose der Protagonistin: Zunächst erzählt ihr gleichgültiger Ehemann, dann ihr Schwager, der sie verzweifelt begehrt, und schließlich ihre Schwester, deren Alltag als erfolgreiche Geschäftsfrau und treusorgende Mutter den Gegenentwurf zu Yeong-Hyes sich zersetzendem Leben bildet.
Für Yeong-Hyes Ehemann verliert sie durch die Änderung ihres Essverhaltens den Status der pflegeleichten Topfpflanze. Eben wegen ihrer Pflegeleichtigkeit und Durchschnittlichkeit hatte er sie geheiratet. Schnell lässt er sich scheiden.
Dem Druck der Familie kann sich Yeong-Hye nur durch einen Suizidversuch entziehen. Allein ihr Schwager kann nachvollziehen, was in ihr vorgeht. Auch er leidet unter dem Konformismus seiner Umwelt. Auch in seiner Ehe gibt es keine Liebe zwischen den Eheleuten.
Immer stärker ist er von der Vision besessen, Pflanzliches und Menschliches miteinander zu verbinden. Fasziniert von einem Muttermal Yeong-Hyes, träumt er davon, ihren Körper mit Blumen zu bemalen und sich mit ihr zu vereinigen.
Der Versuch der beiden, gemeinsam zu einer lebensbejahenden Daseinsform zu finden, scheitert. Zwar spüren sie neue Lebenskraft, werden aber sozial geächtet. Yeong-Hye kommt in eine psychiatrische Anstalt. Dort verliert sie jeglichen Kontakt zur äußeren Realität und verkümmert wie eine Pflanze ohne Wasser.
Der Roman, der an seiner Oberfläche von einer surrealen Sehnsucht erzählt, sondiert darunter die Abgründe einer patriarchalen Gesellschaft.
Ein unbedingt lesenswertes Buch, wenn auch manchmal etwas verstörend!