
Worum geht's?
Roman-Puzzle, ein echter Pageturner, bei weitem kein Krimi, aber auf seine Art doch ein Psycho-Thriller
Es ist die Geschichte von vier Frauen auf mehreren Zeitebenen erzählt. Mit Marie im Juni des Jahres 1981 beginnt der Roman. Da sind Alma und Isabell noch nicht geboren. Gabriele hingegen ist zu dem Zeitpunkt Ende 30 und hat sich gerade von ihrem Mann getrennt. Ihr Erzählstrang beginnt ein paar Seiten später im Juli 1981. Als nächstes lesen wir von Isabell. Im Jahr 2019 ist sie um die dreißig Jahre alt, glücklich verheiratet und Mutter einer kleinen Tochter. Als letzte betritt Alma die Romanbühne. Im Jahr 2019 ist sie 38 Jahre alt.
Was verbindet die vier Frauen? Zunächst scheint es nur die Stadt Berlin zu sein, in der alle vier leben oder lebten. Doch mit jedem Perspektiv- und Zeitenwechsel erfahren wir mehr über die möglichen Zusammenhänge der vier Frauenleben. Immer wieder gibt uns die Autorin durch ihre geschickte Erzählweise – mit Auslassungen nicht sparend – ein falsches Puzzlestück in die Hand.
Judith Hoersch verarbeitet in ihrem gelungen Debüt existentielle Themen, die irgendwann in jedem Frauenleben aufkommen. Doch auch Fragen und Probleme eines jeden menschlichen Lebens unabhängig vom Geschlecht, kommen auf: nicht verwirklichte Träume, gescheiterte Lebensentwürfe, Einsamkeit, Schuld, Identität, Kindheit, Trauer, Liebe und anderes mehr.
Doch die Geschichte wirkt keineswegs überladen. Schließlich werden vier Jahrzehnte erzählt, und Gabriele hat zu Beginn des Romans ja bereits fast vier Jahrzehnte gelebt. Judith Hoersch erzählt angenehm zurückgenommen, auch Momente größter Emotionalität rutschen nicht ab ins Banale.
Hand in Hand gehen diese beiden in diesem wunderbaren Buch. Maries relativ kurzes Leben besteht aus Verschweigen, einer großen Lüge, Trauer und ganz viel Liebe für ihre zweite Tochter Isabell. Marie selbst ist bei einer lieblosen Mutter groß geworden. Die Herkunft ihrer ersten Tochter, die sie gezwungen ist, wegzugeben, ist dubios und das kleine Mädchen alles andere als erwünscht. Dafür darf sich eine kinderlos gebliebene Frau freuen, der dieses Baby praktisch in den Schoß gelegt wird und für die sie eine liebende, aber auch schweigende Mutter sein wird. Diese Alma wird groß und ist mit Intelligenz gesegnet, die ihr allerdings auch oft im Wege steht. Sie wird erfolgreich, aber einsam und kann sich nicht binden. Die zweite Tochter Isabell von Marie muss als Kind ihre Mutter hergeben und wächst dann bei ihrem Vater, einem ehrgeizigen Chirurgen auf, der dem Mädchen aber keine Liebe geben kann. Auch ihr Leben ist gekennzeichnet von Ängsten und Zweifeln. Beide jungen Frauen laufen sich bei Maries großer unerfüllter Liebe über den Weg. Leonhard ist Therapeut und auch für ihn war Marie die Liebe seines Lebens. Dieses Buch arbeitet heraus, was Lügen und Verschweigen noch Genrationen später für Spuren hinterlassen können. Ich konnte mich in die Frauen gut hineinversetzen, auch wenn ich einiges sicher anders gemacht hätte. Dieses Buch war eines meiner Wunschbücher und nun konnte ich es als Hörbuch hören. Judith Hoersch selbst hat das Buch eingelesen und das hat sie phantastisch gemacht. Vielleicht werde ich es irgendwann noch einmal lesen. Beim Hören empfand ich die verschiedenen Zeiten manchmal als zu viel. Beim Buch kann man schneller zurückblättern und sich vergewissern, ob man im richtigen Zusammenhang ist. Aber letztendlich hat mich das nicht weiter verwirrt. Man ist schnell wieder im Geschehen, auch wenn man die ein oder andere Jahreszahl nicht so verinnerlicht hat. Ein super Buch, ein großes Hörvergnügen und unbedingt zu empfehlen.
Ein Titel „Niemands Töchter“ der Bedeutung sucht, so wie die vier Frauen Marie, Gabriele, Alma und Isabell es in diesem Roman in vier Jahrzehnten, in denen wir ihrer Geschichte folgen können, auch tun. Marie, die gerade zu leben beginnt und 1981 das Glück in Berlin sucht; Gabriele die schmerzlich 2019 an die Vergangenheit mit ihrer Tochter denkt und deren Gegenwart nicht kennt. Alma, die eine Verbindung zu sich und ihrem Platz im Leben sucht und die depressive Isabell, die mit den Polaroids ihrer Mutter ein schwarzes Loch in der Erzählung zu füllen versucht. Manchmal vermag das Schicksal undurchdringliche Wege zu gehen, um verschwiegene Wahrheiten aufzudecken… Sehr viele Blickwinkel von Mutterschaft werden beleuchtet, sei es die körperlichen Veränderungen, die hormonellen und psychischen Nachwirkungen von Schwangerschaft, der körperliche Schmerz von Geburt, die Verzweiflung von Unfruchtbarkeit, das unfassbar zerreißende Gefühl von Schuld dem Kind gegenüber, sei es aufgrund von Unwahrheiten, die aus Schutz erzählt werden oder weil man sein Kind zur Adoption gibt, um ihm ein besseres Leben zu ermöglichen, oder einfach weil man oft das Gefühl hat alles falsch zu machen und nie die perfekte Mutter ist. Am Ende geht es einzig und allein ums Überleben in einer oftmals unfair erscheinenden Welt! Nach dem ersten Drittel hatten sich in meinem Kopf leise Vermutungen breit gemacht, wohin die Geschichte der vier Frauen ungefähr führen würde, aber es war sehr interessant erzählt und ich wollte der Auflösung stets näher kommen und so flogen die Seiten dahin! Obwohl gerade die Thematik von Mutter Tochter Beziehungen am Lesemarkt reichlich ausgeschöpft scheint, wurde ich hier von einer einzigartig, berührenden Geschichte und einem unheimlich emotionalen Zusammenführen der verschiedenen Protagonistinnen überrascht. Besonders beeindruckend war auch die Ausarbeitung von Mut und Klarheit, die alle vier Frauen irgendwann im Laufe der Handlung haben oder erreichen. Ein Fehler bedeutet nicht, nicht doch etwas daraus Lernen zu können, zu wachsen, reflektiert an sich zu arbeiten und Hilfe anzunehmen, das eigene Glück selbst zu suchen und genau das wird manchmal drastisch, manchmal mit feinem Fingerspitzengefühl in vielerlei Ausführungen im Roman von Judith Hoersch transportiert. Auch die Tragik der verschiedenen Schicksale sind fühlbar, traurig, menschlich und nachvollziehbar erzählt, trotzdem schafft sie es, die LeserInnen am Ende mit einer innerlichen Schönheit und Zufriedenheit aus der Geschichte zu entlassen. So verbleibe ich mit der Botschaft von grenzenloser Liebe einer Mutter: “ „Mama?“, drang es leise durch das Holz.“ Fazit: Die Geschichten der Frauen haben mich tief berührt und besonders das Ende hat mir einige Tränen in die Augen gebracht! Absolut lesenswerter Roman, trotz gefühlt hundertstem Mutter- Tochter Thema!
Wir treffen auf vier Frauen: Gabriele, Marie, Alma und Isabell – vier Töchter, drei Mütter. Auf beeindruckende Art und Weise gelingt es der Autorin, die verschiedensten Aspekte des Mutterseins herauszuarbeiten und nicht nur die schönen, sondern auch die Schattenseiten darzustellen.
Wir begleiten Gabriele und Marie durch die 80er Jahre – hier Westberlin, da ein kleines Eifeldorf. Alma und Isabell begegnen wir im Hier und Jetzt. Wie hat sich Muttersein verändert, was ist gleich geblieben?
Feinfühlig, fast liebevoll, nähert sich Hoersch ihren Figuren, vermeidet vorschnelle Urteile und lässt den Lesern Raum für eigene Gedanken und Emotionen.
„Niemands Töchter“ ist ein Roman für Mütter und Töchter, aber auch für Väter und Söhne – für alle, die erahnen, dass Elternsein nicht leicht ist und Kindsein manchmal schwer.
„Niemands Töchter“ von Judith Hoersch ist ein fesselnder Roman über Familiengeheimnisse, Verluste und traumatische Mutter-Tochter-Beziehungen. Die Berliner Autorin und Schauspielerin erzählt die Geschichte von vier schicksalshaft miteinander verbundenen Frauen.
„Niemands Töchter“ wird in vielfachen Rückblenden über einen Zeitraum von 40 Jahren erzählt und spielt hauptsächlich in Berlin und in der Eifel. Alma ist eine alleinstehende erfolgreiche Programmdirektorin, die sich in einer Sinnkrise befindet. Die ehemalige Balletttänzerin Isabell hadert dagegen mit ihrer Rolle als Mutter, die sie nicht auszufüllen vermag.
Um problematische Mutterschaften geht es auch bei Gabriele und Marie, die beide einer älteren Generation angehören. Die Biografien stehen zunächst lose nebeneinander, erst nach und nach wird deutlich, welche feinen Linien zwischen den Frauen verlaufen.
Wegen der vielen Zeitsprünge und Perspektivwechsel ist es nicht immer ganz einfach, der Handlung zu folgen. Doch gelingt es Hoersch sehr gut, Spannung aufzubauen. Auch wenn man manche Zusammenhänge früh ahnt, überrascht der Roman doch mit unerwarteten Wendungen und überzeugt durch ein stimmiges Zeit- und Lokalkolorit.
Über das Schweigen, das uns prägt – und die Wahrheit, die uns befreit
Alma ist Niemands Tochter. Sie wächst in den Achtzigerjahren in der Eifel auf, doch das kluge und neugierige Mädchen fühlt sich fremd in seiner Familie. Denn um seine Herkunft wird geschwiegen.
Zu einer anderen Zeit, an einem anderen Ort vermisst noch eine Frau ihre Mutter schmerzlich – Isabell, die 2019 in Berlin lebt. Diese Leerstelle hat ihre Vergangenheit geprägt, und beeinflusst noch immer ihre Gegenwart, ihr Fühlen und Denken und ihr eigenes Familienleben.
Als sich Almas und Isabells Wege auf schicksalshafte Weise kreuzen, entfaltet sich zwischen Polaroids und verlorenen Träumen eine Geschichte, die die beiden Frauen über Generationen hinweg verbindet.
Ihr Leben lang waren Niemands Töchter auf der Suche nach ihrem Platz im Leben, und gemeinsam finden sie ihn, wo sie ihn am wenigsten erwartet haben. Ein berührender Roman über das, was wir verlieren, das, was bleibt – und die Kraft, die man daraus schöpft, das eigene Glück zu suchen.
Judith Hoerschs Debut erforscht zeitlose Fragen, wie Identität, die Suche nach der eigenen Herkunft und den Einfluss von Familienwunden.
