
Worum geht's?
Ein Filmregisseur in seinem Lebensabend sinniert über die Geschichte seiner Familie.
Katerina Poladjan strickt mit „Goldstrand“ raffiniert einen äußerst unterhaltsamen Roman von der russischen Revolution bis heute.
Eli ist Mitte 60, ein bekannter Filmregisseur, der viel seiner nicht kreativen Zeit auf der Couch seiner Psychologin, der „Dottoressa“ in Rom verbringt. Er denkt über sein Leben nach, erzählt von seiner Familiengeschichte, die ihn nicht loslässt. Sein Großvater flieht in den 1920er Jahren vor der russischen Revolution mit seinem Sohn – Elis Vater – der noch ein Kind war, sowie seiner Tochter, bereits eine junge Frau. Auf der Überfahrt von Odessa nach Konstantinopel springt diese vor der bulgarischen Schwarzmeerküste vom Schiff und taucht nie wieder auf. Elis Vater wird später Architekt und ist verantwortlich für den Bau einer Hotelkette an eben dieser Schwarzmeerküste, dem „Goldstrand“.
Eli ist das Ergebnis einer kurzen Liaison seines Vaters und seiner italienischen Mutter dort. Und auch sein Großvater bleibt dem Goldstrand verbunden: Er lebt jahrelang in der Hoffnung, seine verschwundene Tochter zu finden.
Eli verarbeitet das Trauma seiner verschwundenen Tante sehr erfolgreich in einem Film. Los lässt ihn das Thema trotz allem nicht, und so spricht er in seinen wöchentlichen Sitzungen mit seiner Dottoressa Episode für Episode darüber.
Als Leser taucht man wie in Filmsequenzen in die Familiengeschichte ein. Sprachlich ist die Geschichte wunderschön erzählt und dabei durchaus witzig – gerade die Dialoge zwischen Eli und der Dottoressa sind gelungen.
G.K.
