Buchbesprechungen

"Das Geschenk des Kolibris " ist selbst ein Geschenk! Sy Montgomery ist eine Meisterin im Erzählen: Mit ihrem grandiosen Schreibstil, der wissend und von Poesie geprägt ist, öffnet sie immer wieder neue Türen zur Wunderkammer Natur. Schon auf den ersten Seiten dieses glücklichmachenden Buches habe ich sehr viel über die kleinsten aller Vögel gelernt: Sie sind als Baby klein wie ein Stecknadelkopf, sie besitzen neben zwei großen Lungenflügeln neun Luftsäcke und ein verhältnismäßig großes Herz, das in der Minute 500 Mal schlägt.

Sy Montgomery: Das Geschenk des Kolibris, Diogenes Verlag, 18,- €

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Eigentlich ist es der Vater, Bow (Peter), der gestorben ist, und für dessen Beerdigung die Familie zusammen kommt. Doch die Ich-Erzählerin kann einfach nicht anders: Statt an Bow muss sie immerzu an ihre Mutter Hanna denken, deren Tod bereits einige Jahre her ist. Aber war es nicht schon immer so, dass es sowieso nur um Hanna ging? Der Roman erzählt die Geschichte einer Familie, in deren Zentrum eine unkonventionelle Mutter steht, Hanna, die einst Lexikonverkäuferin war - und mit drei anderen Lexikonverkäufern drei Kinder hat.

Caroline Peters: Ein anderes Leben, Rowohlt Verlag, 23,- €; als Hörbuch von der Autorin gelesen: Argon Verlag, 25,- €

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Der Roman erzählt die Geschichte einer starken Frau, die in ihrem Leben zahllose Kompromisse eingehen musste. Die Frau ist Paula Ben-Gurion. Als Paula Munweis wurde sie 1892 in Minsk geboren. Weil die Situation der jüdischen Bevölkerung in Russland immer unsicherer wurde, schickten ihre Eltern sie zum Studium nach Amerika. „Paula oder Die sieben Farben der Einsamkeit“ ist ein höchst interessanter Roman über die bekannteste unbekannte Frau Israels. Fasziniert hat mich, dass sie ihre politische und manch private Haltung nicht an ihren Mann anpasste. Also hatte David Ben-Gurion, der große Staatsgründer Israels, immer die Opposition im eigenen Haus.

Stephan Abarbanell: Paula oder Die sieben Farben der Einsamkeit, 24,- €

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In „Wohnverwandschaften“ geht es um eine Wohngemeinschaft von vier nicht mehr ganz jungen Leuten. Es ist eine reine Zweckgemeinschaft. Für alle vier ist die WG ein Zuhause und Ersatzfamilie. Der Roman erstreckt sich über eine Zeitspanne von zwei Jahren und ist abwechselnd aus der Sicht der vier WG-Bewohner:innen erzählt. So erfahren die Lesenden auch vom Innenleben der Protagonisten und ihrem familiären Hintergrund. Diese Erzählweise steht der Geschichte auch deshalb sehr gut, weil das Zusammenleben der vier nicht immer harmonisch verläuft.

Isabel Bogdan: Wohnverwandtschaften, 24,- €

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Juno Isabella Flock ist Tänzerin und Performance-Künstlerin in der freien Theaterszene. Sie ist über fünfzig und hat gerade ihre erste eigene Produktion umgesetzt und aufgeführt. Sie lebt mit dem Schriftsteller Jupiter in er Leipziger Altstadt in einer Hochpaterre-Wohnung. Doch die acht Stufen runter auf die Straße sind fast unüberwindbar für Jupiter, der seit vielen Jahren an MS leidet und sich außerhalb der Wohnung mittlerweile nur noch mit einem elektrischen Rollstuhl fortbewegen kann. Sein Leben gleicht einem ständigen Hindernislauf.

Martina Hefter: Hey Guten Morgen, wie geht es Dir?, Klett-Cotta 22,- €

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Yeong-Hye und ihr Mann, beide um die 30, leben in der Großstadt. Sie arbeitet in Teilzeit als Computergrafikerin, er als Büroleiter. Yeong-Hye beschließt nach fünf Jahren reibungsloser Ehe, kein Fleisch mehr zu essen. Über Jahre wiederkehrende blutige Träume lassen sie diesen Schritt gehen. Dieses plötzliche Aufbegehren löst bei Ehemann und Verwandten große Erschütterungen aus.

Han Kang: Die Vegetarierin, Aufbau TB 12,- €

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