Buchbesprechungen

Bei den wohlsituierten Hofmanns geht es alles andere als gutschweizerisch-bieder zu: Damian und Sylvia gehen nach kurzer Ehe ihre eigenen Wege - er als Anwalt, sie als Ethnologin. Von einem Forschungsaufenthalt in China hat Sylvia Mitte der 60er-Jahre eine junge Frau, Atscho, mitgebracht, die sich um den Haushalt und die Töchter kümmert, die in den Jahren danach geboren werden. Das sind Jessy, Chloé und Clara. Atscho stammt aus dem Südwesten Chinas und gehört zum Volk der Mosuo, einer matriarchalischen Gesellschaft. Atscho erzieht die Mädchen im Sinne des emanzipatorischen Prinzips der Mosuo: Zitat: „Da es keine Heirat gibt, ist der Mann nichts weiter als Sohn und Bruder, ein Leben lang. ... seine Rolle als Vater, Oberhaupt, Stammhalter und Broterwerber ist ersatzlos gestrichen.“

Stefan Györke, Die Mütter

Zur Buchempfehlung

Wie in allen Romanen Fosses geht es um seine zentralen Themen: Liebe, Tod und Gott. Es sind nichts weiter als die großen Fragen der menschlichen Existenz, die er in einer unerhört soghaften Sprache verhandelt. Das Nichtgesagte und das Unsagbare spielen eine zentrale Rolle. Diesem versucht Fosse durch eine reduzierte Sprache und Wiederholungen eine Stimme zu geben. Und auch das Seelenleben seiner Figuren legt er so frei, ihre Zweifel, ihre Verunsicherung, ihre Hilflosigkeit. Obwohl es nicht zwingend eine richtige Handlung gibt, sind die Romane spannend, sie lassen nicht los. Diese düsteren, stillen Sätze entfalten geradezu eine hypnotische Wirkung.

Jon Fosse, Alise

Zur Buchempfehlung

Kommissar Liewe Cupido, der "Holländer" genannt, ermittelt zum zweiten Mal. Wieder ist sein Einsatzgebiet die holländische und deutsche Nordseeküste von Texel bis Sylt. Es ist dieses ungewöhnliche Einsatzgebiet und auch die sympathische Ermittlerfigur die diese Krimis so „erfrischend“ wirken lassen.

Mathijs Deen: Der Taucher

Zur Buchempfehlung

Auch wenn Glattauer in seinem Gespür für Charaktere und menschliche Schwächen die handelnden Personen zu Anfang des Romans herrlich bitter-lustig zeichnet, schimmert die brüchige Oberfläche und die drohende Katastrophe durch. So ist Glattauers Roman eine manifeste Gesellschaftskritik im Mantel eines handwerklich hervorragend geschriebenen Romans, in dem nichts kommt, wie man glaubt. Dieser Roman ist schonungslos, hart und bedrückend, wie vom wirklichen Leben geschrieben.

Daniel Glattauer: Die spürst du nicht, Zsolnay

Zur Buchempfehlung

Es ist der Biss eines Hundes während ihrer Joggingrunde im Park, der den Auftakt einer Reihe von Ereignissen bildet, die Ruth Lembers Leben gehörig durcheinander wirbeln. Mit großer Wirklichkeitsnähe ist dies ist ein spannender Generationenroman über politischen Aktivismus und die Risse in bürgerlichen Fassaden.

Ulrich Woelk: Mittsommertage

Zur Buchempfehlung

Dieser Roman ist ein tolles Buch mit soghafter Wirkung, das an einem einzigen flirrenden Sommertag in einem Freibad in der pfälzischen Provinz spielt. Da ich eine Schwäche für wechselnde Erzählperspektiven habe, war ich gleich sehr angetan von diesem Roman, der aus sechs Perspektiven erzählt wird. Ein Toter und ein Unglück überschatten die Szenerie. Mit jedem Perspektivwechsel kommt mehr Licht in ein anfänglich undurchsichtiges Beziehungsgeflecht.

Arno Frank, Seemann vom Siebener

Zur Buchempfehlung

Tom ist dreißig, studierter Jurist und arbeitslos. Sein Antrieb sich zu bewerben, ist die Aussicht auf Arbeitslosengeld. Er antwortet auf eine Anzeige, in der nach einem jüngeren Mann gesucht wird, der einen Nachlass ordnen soll. Tom bekommt die Stelle und damit die Aufgabe, den Nachlass eines noch lebenden alten Mannes für die Nachwelt aufzubereiten. Damit geht für Tom einher, im Haus des Dr. Peter Stotz zu wohnen, dessen Alltag zu begleiten ...

Martin Suter, Melody

Zur Buchempfehlung