Worum geht's?

Franz Fiala trifft im Alter von 59 Jahren eine Lebensentscheidung:

Nach Jahrzehnten als Beamter der Europäischen Kommission kündigt er. Der Anlass ist ein neuerliches Einknicken der Europäischen Kommission vor den wütenden Protesten der Bauern. Seit Jahren ist es frustriert darüber, dass die Pläne für einen ökologischen Umbau der Landwirtschaft immer wieder der politischen Opportunität und der Angst vor Interessengruppen geopfert werden. Unter den Bürgern mehren sich die EU-Kritiker, populistische und nationalistische Stimmen werden immer lauter und gewinnen zunehmend Anhänger.

Franz Fiala löst seine Brüsseler Wohnung auf. Zwar hat er noch nicht mit seiner Freundin Nathalie über seinen Vorruhestand gesprochen, doch er geht davon aus, dass sie zusammenbleiben und zusammenziehen werden. Er will ihr gar einen Heiratsantrag machen.

Er nimmt sich vor, noch häufiger als bisher, nach Wien zu seiner betagten Mutter zu fahren. Er glaubt sie auf dem Weg in die Demenz und möchte sie besser begleiten.

Die zwei haben ein sehr enges und gutes Verhältnis, Franz verdankt ihr seine Bildung und den Aufstieg aus einfachen kleinbürgerlichen Verhältnissen. Franz ist ihr ganzer Stolz. Sie hatte ihn allein großgezogen, nachdem der Vater früh gestorben war.

Doch das Leben schlägt Haken: Nathalie serviert ihn ab, und er bekommt die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Wieder trifft er eine Lebensentscheidung – seine letzte: Seine Mutter soll nicht um ihn trauern müssen.

Ein gnadenloser Wettlauf mit der Zeit beginnt. Sowohl die Mutter wie auch er versuchen, ihren schlechten Zustand voreinander zu verbergen. Menasse schildert dies wie einen zum Teil grotesken Wettkampf zwischen Mutter und Sohn. Ein Wettkampf, den sie aus Liebe zu einander miteinander führen.

In Menasses neuem Buch zeigt sich seine Meisterschaft, große Themen mit subtilem und auch schwarzem Humor in klarer Sprache zu erzählen. Das existentielle Problem des Franz Fiala erzählt er einer kitschfreien Tragikkomödie gleich und wählt mit einer Novelle die perfekte Prosaform.